Spital- und Heimseelsorger Pfr. Markus Just
Berufliche Tätigkeit:
- Gemeindepfarrer von Malix (50%)
- Heimpfarrer von Schiers und Jenaz (50%)
Einige Bemerkungen zu meiner beruflichen Tätigkeit:
Carl Spitteler: "Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden."
In meiner interessanten und vielfältigen Arbeit als Heimpfarrer geht es um den Menschen, d.h. um Begegnungen, um Gespräch, um Begleitung. Die Stichworte dazu sind zuhören, mitfühlen, verstehen, bestärken, trösten. Ich fasse diese Stichworte gerne mit den Begriffen 'Menschlichkeit' und 'Herzlichkeit' zusammen. Aufmerksamkeit und Menschlichkeit werden heutzutage erwartet in einer zunehmend technisierten, unpersönlichen und leistungsbezogenen Welt. Dazu kommt der Aspekt der Zeit. 'Ich habe keine Zeit' hört man Menschen oft sagen. Diese Aussage möchte ich in meiner Arbeit so gut es geht vermeiden. Wenn ich einen Menschen besuche, so will ich ihm das Gefühl geben, dass ich für ihn da bin und Zeit habe. Das ist ganz wesentlich für eine Begegnung und ein Gespräch. Die Funktion als Pfarrer öffnet mir die Türe zu vielen Menschen. Es ist mir ein Anliegen, mich menschlich zu benehmen. In der Tat erleben Menschen Seelsorge an der Person des Seelsorgers. Das Amt des Pfarrers hat eine prägende Kraft und das aus folgenden Gründen: In Stunden der Not suchen Menschen eine Autorität, Seelsorger sein ist keine Tätigkeit nur für Bürostunden, es ist Lebensqualifikation. Darum dürfen Zuverlässigkeit und eine verantwortliche Lebensführung des Seelsorgers vorausgesetzt werden.
Das entscheidende Grundkriterium der Seelsorge ist das aufmerksame Handeln, dieser Begriff lässt sich in die 3 folgenden Teilaspekte gliedern:
a) Interesse für und Respekt vor der anderen Person. Es geht dabei nicht nur um den Anfang des Kontakts, sondern auch um den Verlauf der Beziehung. Man hat lange darüber diskutiert, was das Ziel dieses Interesses sei. Es gibt dazu verschiedenen Antworten, eindeutig aber ist, dass der Seelsorger freundlich sein sollte. Freundschaft ist ein besseres Orientierungsbild für den Seelsorger als Predigt oder Dienst.
b) Einfühlung in seine Welt. Ich möchte ausdrücklich festhalten, dass ich das Recht über was der Besuchte reden will, voll und ganz bedenke und respektiere. Die Einfühlung ist wohl der wichtigste Pfeiler in einer Begegnung. Das bedeutet: Ich versuche mich intensiv auf die Welt meines Gegenübers zu konzentrieren. Das bedingt auch die Fähigkeit, meine eigenen Wertmassstäbe vorübergehend auf die Seite zu schieben. Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass sich Menschen tiefer öffnen, wenn sie spüren, dass sie nicht beurteilt werden. An der Einfühlung entscheidet sich vieles in einer Begegnung.
c) Echtheit des eigenen Verhaltens. Ich will mich so verhalten, wie ich wirklich bin. Das Verhalten muss zum Empfinden passen, Menschen haben in der Regel ein Gespür für das Mass der Echtheit ihres Gesprächspartners. Mögliche Gefahren sind auf der einen Seite Aufdringlichkeit und auf der anderen Seite zu viel Zurückhalten. Je menschlicher, spontaner und echter ich mich als Seelsorger gebe, desto stärker wird an mir auch die geistliche Dimension wahrgenommen. Ein letzter Hinweis: Weil Seelsorge verwurzelt ist im Evangelium und im Glauben ist die Erfahrung angemessen, dass ich jederzeit bereit bin, über den Glauben und über Gott zu reden.
'Wir betreuen mit Herz', das ist das Leitbild der Betriebe der Flurystiftung. Jeder Mitarbeiter, jede Mitarbeiterin versucht dem in der Arbeit Rechnung zu tragen. Im Zusammenhang mit dem Wort 'Herz' hat mir immer eine Aussage von Martin Luther Eindruck gemacht. Er hat in Bezug auf die Seelsorge geschrieben:
'Worauf du nun dein Herz hängst und verlässt, das ist eigentlich dein Gott. Was ein Mensch ist und was für ein Mensch einer ist, darüber entscheidet weder sein Kopf, noch sein Wille, noch sein Gefühl, sondern sein Herz. Jesus Christus, da er Menschen ziehen wollte, musste er Mensch werden. In den Büchern steht genug geschrieben, ja, es ist aber noch nicht alles in die Herzen geschrieben.'
Die Arbeit als Seelsorger im Heim bedeutet mir viel, sie ist kostbar und wertvoll. Ich hoffe, Ihnen mit diesen Zeilen einige wichtige Gesichtspunkte meiner Tätigkeit aufgezeigt zu haben.
Mit freundlichen Grüssen
Pfr. Markus Just